Bildungskonferenz soll Impulse geben

Marburg 8.2.2017 (pm/red)  Die Zukunftsfähigkeit einer Region hängt auch von der Qualität des Bildungsangebotes ab. Der Landkreis Marburg-Biedenkopf hat mit diesem Leitgedanken eine erste Bildungskonferenz veranstaltet. Im Mittelpunkt standen dabei der Austausch über Fragen des lebenslangen Lernens und die bessere Vernetzung von Bildungsangeboten. Ziel war es, gemeinsam mit den TeilnehmerInnen ein strukturiertes Stimmungsbild zu bestehenden Bildungsangebote zu erstellen und mögliche Handlungsbedarfe zu identifizieren. Rund 150 Teilnehmende nutzten die Möglichkeit, die Zukunft der Bildung im Landkreis Marburg-Biedenkopf zu erörtern.

Neben dem gemeinsamen Dialog zwischen den BürgerInnen und der Kreisverwaltung standen zu Beginn der Konferenz auch Vorträge zum Thema Bildung auf dem Programm. Der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow stellte dabei das Programm „Bildung integriert“ vor. Mit diesem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Europäischen Sozialfonds geförderten Programm soll über einen Zeitraum von drei Jahren der Aufbau einer vernetzten kommunalen „Bildungslandschaft Marburg-Biedenkopf“ auf Basis verstärkter Zusammenarbeit und Abstimmung aller Bildungsakteure verwirklicht werden. Neben der Bürgerbeteiligung und dem Zusammenspiel der verschiedenen Akteure soll die Vernetzung und Bündelung der Bildungsangebote auf einer soliden Datenbasis aufbauen.
 
„Bildung geht immer mit Verantwortung einher. Ein aktiver, individueller und nah am Menschen orientierter Bildungsansatz ist unerlässlich für das Gelingen von lebenslangem Lernen“, stellte der Erste Kreisbeigeordnete fest. Mit dem Projekt „Bildung integriert“ wolle der Kreis dazu beitragen, eine Bildungslandschaft zu gestalten, die nicht von den Institutionen her, sondern aus der Perspektive der Menschen mit ihren vielfältigen Bildungsbedürfnissen gedacht und gestaltet ist.
 
Zachow setzt dabei auf ein ganzheitliches Bildungsverständnis: Bildung sei nicht nur wo Schule draufsteht, sondern auch gerade das, was im sozialen Bereich geschehe: von der Frühförderung für Kinder über Kita und Grundschulbetreuung bis hin zur Jugendhilfe. Außerdem gehörten auch Angebote zur Qualifizierung im Auftrag von KreisJobCenter oder Arbeitsagentur dazu. Nicht zuletzt müssten auch die beispielhaften Angebote der Volkshochschule Marburg-Biedenkopf für Senioren innerhalb eines Gesamtblicks auf lebenslange Bildung berücksichtigt werden. Bildung dürfe nicht nur verkürzt auf die erste Lebenshilfe zu sehen sein.
 
Wie Zachow in seinem Impulsvortrag betonte, müsse Bildung den Menschen zur Entfaltung ihrer Begabungen, Interessen und Talente verhelfen. Beim derzeitigen Bildungssystem würden unterschiedliche Akteure, unterschiedliche Träger und unterschiedliche Verantwortliche arbeiteten, allenfalls nur punktuell koordiniert. „Das soll durch das Programm ,Bildung integriert‘ besser werden“, so Zachow. „Wir wollen die Zusammenarbeit vertiefen und Bildung aus einem Guss gestalten.
 
Felicitas von Küchler, Leiterin der Transferagentur kommunales Bildungsmanagement Hessen und Moderatorin der Veranstaltung, referierte in ihrem Vortrag über den Nutzen eines kommunalen Bildungsmanagements und machte sich damit für eine noch aktivere Verzahnung und Gestaltung von Bildungsangeboten stark: „Bildungslandschaft bedeutet, dass jeder eingebunden wird. Diese Veranstaltung soll die Teilnehmenden motivieren, die Bildungslandschaft im Kreis weiter zu verbessern. Ziel eines kommunalen Bildungsmanagements ist es, dass die Kommunen sich als Gestalter sehen und sich die Fragen stellen: Wohin wollen wir? Was können wir noch besser machen? Durch Kontakt und Austausch untereinander sollen die gefundenen Lücken dann geschlossen werden“, machte von Küchler deutlich.
 
Vorgestellt wurden auch die Ergebnisse der Online-Befragung vom November 2016 vor. An der Online-Befragung beteiligten sich insgesamt 403 Personen, die meisten Teilnehmer kamen dabei aus der Universitätsstadt Marburg. Den größten Handlungsbedarf sahen die Befragten dabei vor allem in den Bereichen „Übergang von einer weiterführenden Schule zu einer Ausbildung oder Hochschule“ (34 Prozent), „Kindertagesstätten“ (33 Prozent), „Übergang Grundschule zu einer weiterführenden Schule“ (30 Prozent) sowie „Grundschule“ (30 Prozent).
 
Sowohl in der Online-Befragung als auch an den Pinnwandstationen, an denen die Teilnehmer der Bildungskonferenz ihre Vorschläge zu Handlungsbedarfen einbringen konnten, wurde deutlich, dass es auch bei der Verteilung von Bildungsangeboten noch Verbesserungsbedarf gibt. Verstärkte Bildungsangebote im ländlichen Raum war ein Hauptpunkt des Verbesserungsbedarfs.
 
Als ein weiteres wichtiges Anliegen der Teilnehmer erwies sich außerdem die Inklusion. BürgerInnen aus allen sozialen Schichten und Altersgruppen sollen besseren und gerechteren Zugang zu Bildung erhalten. Durch eine bessere Vernetzung der Bildungsangebote, beispielsweise durch das Bereitstellen einer zentralen Plattform, könnte das Wahrnehmen der Angebote noch leichter werden. Die Idee, nicht mehr primär Bildungsangebote nach Altersgruppen zu unterscheiden, sondern gemeinsames Lernen von und miteinander in den Vordergrund zu stellen, war ein weiterer geäußerter Wunsch.
 
Nach dieser ersten Bildungskonferenz soll eine Steuerungsgruppe prüfen, wie die gewonnenen Erkenntnisse in den weiteren Prozess einfließen können. Außerdem werden sich Arbeitsgruppen bilden, die das Herzstück des Projekts sind und in denen Bildungsexperten und Bürger eng miteinander zusammenarbeiten, teilt die Kreisverwaltung mit.