Sorge um den ärztlichen Nachwuchs: Schwerpunkt-Curriculum Primärversorgung an der Philipps-Universität

Marburg, 17.5.2013 (pm/red) Die Philipps-Universität bietet einen neuen Lehrschwerpunkt zum Thema medizinische Primärversorgung an, mit dem man dem Problem, dass es für Landärzte immer schwieriger wird, junge Nachfolger zu finden, entgegenwirken will.

Denn in ländlichen Orten kommt es immer häufiger vor, dass der Hausarzt oder die Hausärztin in den Ruhestand geht und keinen Nachfolger findet. Mit dem neuen Programm der Uni werden interessierte Medizinstudierende auf diese anspruchsvolle Tätigkeit vorbereitet. Das maßgeschneiderte Programm wird geleitet von Privatdozent Dr. Stefan Bösner, der erst kürzlich mit dem hessischen Exzellenzpreis für die Lehre ausgezeichnet wurde.

Vorstellungen vom idealen Hausarzt, Gesundheitssysteme und erste Schritte der medizinischen Untersuchung standen auf der Tagesordnung der Auftaktveranstaltung für zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die im ersten Semester rekrutiert wurden und nun über fünf Jahre hinweg begleitet werden. Sie nehmen an Seminaren teil und haben regelmäßigen Kontakt mit Patienten in Allgemeinpraxen der Marburger Umgebung. Forschungsprojekte und Auslandsaufenthalte sind ebenfalls vorgesehen. Zum Abschluss erhalten die zukünftigen Hausärzte und Hausärztinnen ein Zertifikat.

Höhepunkt des Veranstaltungsauftakts Anfang Mai 2013  war der Vortrag der anerkannten Expertin für medizinische Ausbildung Prof Dr. Helen Batty (University of Toronto), die derzeit ein Semester an der Philipps-Universität verbringt und Marburger Mediziner am weltweit führenden Wissen in der Allgemeinmedizin aus Kanada teilhaben lässt. Die Allgemeinmedizinerin machte deutlich, warum Hausärzte in Nordamerika „Family Doctors“ heißen: Sie selbst betreut mehrere Generationen von Familien von der Entbindung, über Kindheit, Jugend, Erwachsenenalter bis hin zu den Problemen und Krankheiten des Alters. Die ärztliche Betreuung beschränkt sich damit nicht auf Diagnose und Therapie körperlicher Erkrankungen, sondern bezieht seelische, kulturelle und soziale Faktoren mit ein.

Weitere Informationen zum Programm Primärversorgung gibt es beim Ansprechpartner PD Dr. Stefan Bösner, E-mail: boesner@staff.uni-marburg.de, Tel: 06421 – 28 65122.